Instagram, TikTok, Facebook und mittlerweile auch noch die KI. Wer braucht da eigentlich noch eine eigene Website? Ist das nicht längst ein Relikt aus vergangenen Internetzeiten?
Ich sehe das ein bisschen anders. Ich betreibe seit vielen Jahren eigene Websites und Blogs. Und würde mich heute jemand fragen, ob ich noch einmal damit anfangen würde, gäbe es von mir ein klares Ja.
Nicht vielleicht. Nicht unter bestimmten Voraussetzungen. Einfach Ja!
Warum? Weil meine Websites mein Reich sind. Mein Sprachrohr, meine Gedanken, meine Möglichkeit, mich auszudrücken. Und vor allem sind sie eines: mein eigenes Spielfeld.
Mein Internet, meine Regeln!
Auf meiner Website entscheide ich, was ich veröffentliche. Wie ich es veröffentliche. Wo etwas steht, wie es aussieht und wie lange es dort bleibt.
Ich muss keinen Algorithmus glücklich machen. Ich muss meine Texte nicht künstlich verkürzen, weil die Aufmerksamkeitsspanne angeblich nur noch für drei Sätze reicht. Ich muss auch keine Videos drehen, nur weil irgendeine Plattform beschlossen hat, dass bewegte Bilder gerade das Maß aller Dinge sind.
Wenn ich einen ellenlangen Artikel schreiben möchte, dann mache ich das. Wenn ich zwanzig Bilder einbauen will, dann kommen eben zwanzig Bilder rein. Und wenn ich morgen beschließe, mein komplettes Design auf den Kopf zu stellen, dann kann ich das ebenfalls tun.
Natürlich gibt es auch auf einer eigenen Website technische und rechtliche Grenzen. Aber innerhalb dieser Grenzen bestimme ich selbst.
Bei Social Media sieht die Sache anders aus. Dort darf ich mitspielen, solange ich mich an die Regeln der jeweiligen Plattform halte. Und diese Regeln können sich jederzeit ändern.
Heute werden Bilder bevorzugt, morgen Videos und übermorgen vielleicht nur noch Beiträge, in denen man auf einem Bein hüpfend seine Lebensgeschichte erzählt.
Überspitzt? Sicher. Aber wer schon länger auf Social Media unterwegs ist, weiß, wie oft sich die Spielregeln verändert haben.
Erinnert sich noch jemand an MySpace und StudiVZ?
Es gab eine Zeit, da war MySpace eine riesige Nummer. Man gestaltete sein Profil, sammelte Freunde und konnte sogar Musik auf seiner Seite abspielen.
Dann kamen StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ. Da wurde gegruschelt, was das Zeug hielt. Wer damals nicht dabei war, kann sich vermutlich kaum vorstellen, wie selbstverständlich diese Netzwerke einmal zum Internetalltag gehörten.
Und heute?
MySpace existiert zwar noch in veränderter Form, spielt aber längst nicht mehr die Rolle von damals. Die VZ-Netzwerke sind Geschichte.
Millionen Menschen haben dort Zeit investiert, Kontakte gepflegt, Bilder hochgeladen und Inhalte veröffentlicht.
Und irgendwann war Schluss.
Wer seine gesamte Onlinepräsenz ausschließlich auf einer solchen Plattform aufgebaut hatte, musste sich etwas Neues suchen.
Natürlich kann auch eine eigene Website verschwinden. Wenn ich meine Domain nicht mehr bezahle oder meine Daten nicht sichere, ist irgendwann ebenfalls Feierabend.
Der entscheidende Unterschied ist aber, dass ich meine Inhalte grundsätzlich selbst sichern, umziehen und weiterverwenden kann. Ich bin nicht darauf angewiesen, dass irgendein soziales Netzwerk auch in zehn Jahren noch existiert.
Wer garantiert mir denn, dass Instagram, TikTok oder Facebook in zwanzig Jahren noch dieselbe Bedeutung haben?
Niemand.

Wir haben uns das Internet bequem servieren lassen
Was ich an der Entwicklung des Internets besonders schade finde, ist der Verlust der klassischen Blogkultur.
Früher gab es Feedreader im Browser. Man abonnierte die Blogs, die einen interessierten, und bekam neue Artikel angezeigt. Ganz ohne Facebook, Instagram oder sonstige Zwischenstationen.
Man konnte sich seine eigene kleine Lesewelt zusammenstellen.
Heute läuft vieles über Social Media. Und damit haben wir ein Stück Kontrolle darüber abgegeben, welche Inhalte wir überhaupt zu sehen bekommen.
Ich kann einer Seite auf Facebook folgen und trotzdem einen Großteil ihrer Beiträge verpassen. Einfach weil der Algorithmus entscheidet, dass mir etwas anderes angezeigt werden soll.
Das merke ich auch bei meinen eigenen Blogs. Seit Feedreader weitgehend aus dem Alltag verschwunden sind und sich vieles auf Social Media verlagert hat, erscheint es mir deutlich schwieriger, Leser dauerhaft an einen einzelnen Blog zu binden.
Wiederkehrende Besucher lassen sich nach meinem Eindruck inzwischen vor allem über Social Media gewinnen.
Was für ein Irrsinn eigentlich.
Da betreibt man eine eigene Website, um unabhängig zu sein, und muss dann doch wieder auf fremde Plattformen zurückgreifen, damit die Leser erfahren, dass es etwas Neues gibt.
Dabei ist RSS keineswegs tot. Feedreader gibt es weiterhin. Sie sind nur aus dem Bewusstsein vieler Internetnutzer verschwunden.
Vielleicht sollten wir uns einfach wieder häufiger daran erinnern, dass man Websites auch direkt besuchen und abonnieren kann.
Willkommen in deiner persönlichen Filterblase!
Ein weiterer Punkt, den ich an Social Media kritisch sehe, ist die Gefahr einer einseitigen Informationsblase.
Die Plattformen lernen aus unserem Verhalten. Was schauen wir uns an? Was liken wir? Worüber regen wir uns auf? Welche Beiträge halten uns besonders lange fest?
Anhand solcher Signale werden uns weitere Inhalte vorgeschlagen.
Das klingt zunächst praktisch. Schließlich bekommt man überwiegend Dinge angezeigt, die einen interessieren.
Nur hat die Sache einen Haken.
Wer ständig mit ähnlichen Meinungen und Sichtweisen konfrontiert wird, kann irgendwann den Eindruck bekommen, dass die ganze Welt genauso denkt. Andere Perspektiven geraten leicht aus dem Blickfeld.
Natürlich ist das nicht zwangsläufig so. Auch Social Media kann völlig neue Themen und Meinungen in den eigenen Feed spülen. Und selbstverständlich konnte man sich früher ebenfalls eine hübsche kleine Blase zusammenstellen, indem man immer nur dieselben Blogs besuchte.
Der Unterschied liegt für mich in der Selbststeuerung.
Wenn ich meine Informationsquellen bewusst auswähle, entscheide ich selbst, womit ich mich beschäftige. Bei einem algorithmisch gesteuerten Feed übernimmt die Plattform einen erheblichen Teil dieser Auswahl.
Wer dort regelmäßig über den eigenen Tellerrand schauen möchte, muss meiner Meinung nach deutlich bewusster gegensteuern.
Und mal ehrlich: Wie oft machen wir das tatsächlich?
Wie oft klicken wir uns gezielt durch völlig fremde Websites, statt einfach weiter durch den nächsten Feed zu scrollen?
Und jetzt beantwortet uns auch noch die KI unsere Fragen
Als wären Google, Facebook und Co. nicht schon genug Konkurrenz für klassische Websites, mischt inzwischen auch noch künstliche Intelligenz kräftig mit.
Früher suchte man nach einem Problem, klickte sich durch verschiedene Suchergebnisse und landete irgendwann auf einem Blog, dessen Betreiber sich die Mühe gemacht hatte, eine ausführliche Anleitung zu schreiben.
Heute fragt man eine KI und bekommt die Antwort direkt serviert. Praktisch für den Nutzer. Für Websitebetreiber allerdings nicht unbedingt.
Warum sollte jemand noch einen Blogartikel besuchen, wenn die gesuchte Information bereits vollständig in einer KI-Antwort steht? Das könnte gerade für Websites problematisch werden, die hauptsächlich allgemeine Informationen und Anleitungen anbieten.
Andererseits sehe ich darin auch eine Chance.
Denn eine KI kann mir erklären, wie eine bestimmte Software funktioniert. Sie kann Informationen zusammentragen und Lösungen vorschlagen. Was sie nicht hat, sind eigene Erlebnisse.
Sie kann nicht aus eigener Erfahrung berichten, wie sie sich stundenlang mit einem störrischen WordPress-Plugin herumgeärgert hat, bis endlich alles funktionierte.
Natürlich kann sie einen solchen Text schreiben. Aber dann ist es eben eine nachgebildete Erfahrung und keine tatsächlich erlebte.
Vielleicht werden genau deshalb persönliche Blogs wieder interessanter. Weil dort nicht nur Informationen stehen, sondern Menschen dahinterstecken. Mit eigenen Erfahrungen, Meinungen, Fehlern und manchmal auch ziemlich eigenwilligen Ansichten.
Eine Garantie für mehr Besucher ist das natürlich nicht. Aber ein guter Grund, nicht jeden Blogartikel in einen austauschbaren Informationstext zu verwandeln.

Braucht denn nun wirklich jeder eine eigene Website?
Nein.
So sehr ich meine eigenen Websites liebe, so wenig würde ich behaupten, dass jeder Mensch unbedingt eine braucht.
Wer gelegentlich Urlaubsfotos mit Freunden teilen möchte, ist mit einem Social-Media-Profil vermutlich bestens bedient.
Wer hauptsächlich kurze Videos produziert und seine Zielgruppe auf TikTok erreicht, muss nicht zwangsläufig zusätzlich eine Website betreiben.
Auch eine eigene Website kostet schließlich Geld, Zeit und Arbeit.
Domains und Hosting wollen bezahlt werden. Software benötigt Updates, Backups müssen erstellt werden und dann wären da noch Datenschutz, Sicherheit und all die anderen Kleinigkeiten, mit denen man sich als Websitebetreiber herumschlagen darf.
Eine Website macht sich eben nicht von allein. Und nur weil man eine besitzt, stehen die Besucher auch nicht automatisch Schlange.
Für Unternehmen, Selbstständige, Kreative oder Menschen, die langfristig eigene Inhalte veröffentlichen möchten, kann eine Website dagegen weiterhin sehr sinnvoll sein.
Aber letztlich kommt es darauf an, was man erreichen möchte.
Wer ausschließlich möglichst schnell möglichst viele Menschen erreichen will, setzt vielleicht andere Prioritäten als jemand, der sich ein dauerhaftes Zuhause im Internet schaffen möchte.
Eine eigene Website ist für mich mehr als eine Besucherstatistik
Natürlich freue ich mich über Besucher. Ich schreibe meine Artikel schließlich nicht ausschließlich für meine Festplatte. Und selbstverständlich möchte ich, dass Menschen meine Gedanken lesen, meine Erfahrungen nutzen oder sich mit meinen Meinungen auseinandersetzen.
Aber die Besucherzahlen sind nicht der Grund, weshalb ich blogge.
Ich blogge, weil ich gerne schreibe. Weil ich Gedanken festhalten möchte. Weil ich meine Meinung sagen will. Weil ich Spaß daran habe, meine Websites zu gestalten und weiterzuentwickeln. Und weil ich selbst bestimmen möchte, wie mein kleines Stück Internet aussieht.
Das ist für mich etwas völlig anderes, als ausschließlich Inhalte für fremde Plattformen zu produzieren.
Social Media nutze ich trotzdem. Warum auch nicht? Die Netzwerke können eine hervorragende Möglichkeit sein, Menschen zu erreichen, auf neue Artikel aufmerksam zu machen und sich auszutauschen.
Aber sie sind für mich eine Ergänzung. Kein Ersatz.
Braucht man 2026 also noch eine eigene Website?
Vielleicht nicht jeder.
Aber ich würde jederzeit wieder mit dem Bloggen anfangen.
Auch 2026. Auch mit Instagram, TikTok, Facebook und KI. Und vermutlich auch noch dann, wenn die nächste große Plattform auftaucht, auf der plötzlich alle unbedingt vertreten sein müssen.
Denn während andere entscheiden, welche Inhalte gerade angesagt sind und welcher Algorithmus gefüttert werden möchte, mache ich auf meinen Websites weiterhin mein eigenes Ding.
Mein Reich. Meine Gedanken. Meine Regeln.
Und wenn irgendwann auch Facebook, Instagram oder TikTok denselben Weg gehen wie StudiVZ, dann sitze ich eben immer noch hier und blogge.
Zumindest solange ich meine Hostingrechnung bezahle.
Bildnachweis: Die Illustrationen in diesem Artikel wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
